Traditions-Bäckerei Süß: Weltmeisterliche Verstärkung aus Chile
Tobias Ehses fand keine Fachkräfte – bis zur Jungbäcker-WM 2022. Zu seinem Glück nahm die chilenische Bäckerin Antonia Copolla im vergangenen Jahr an der Weltmeisterschaft in Berlin teil und gab – begeistert von der deutschen Backkultur - ein Stellengesuch auf. Die beiden kamen in Kontakt und schnell wurde klar: Das passt! Die letzten Hürden: Das Visum und die Anerkennung der chilenischen Berufsqualifikation in Deutschland. Dabei war die HWK Trier eine wichtige Hilfe.
Seit einem halben Jahr steht Frau Copolla im Betrieb von Herr Ehses und bereitet frische Backwaren für Reinsfeld vor. Zufriedener könnten beide Seiten nicht sein. Die Bäckerei hat eine motivierte Fachkraft gewonnen und die junge Bäckerin ist glücklich, sich in einem familiären und traditionellen Umfeld weiterentwickeln zu können.
Jürgen Rauschenbach, Antonia Copolla und Tobias Ehses (v.l.n.r)
© BQ-Portal
Tobias Ehses konnte lange keine Fachkraft für seine Bäckerei finden. Als nach der Jungbäcker-WM in Berlin 2022 veröffentlicht wurde, dass eine chilenische Teilnehmerin eine Anstellung in Deutschland sucht, bewarb sich Herr Ehses mit seinem Betrieb. Die engagierte Chilenin passte ins Stellenprofil. Antonia Copollas Engagement und Interesse am Backhandwerk beeindruckte Herrn Ehses, denn sie wollte gezielt des Berufs wegen nach Deutschland kommen. Für sie ist Deutschland als größter Backwarenkonsument mit besonderer Tradition der beste Ort, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Ganz reibungslos verliefen die anschließende Anerkennung und Einreise nach Deutschland allerdings nicht: Das Visum stellte eine Hürde dar und zudem fehlten anfangs noch einige Dokumente. Beide Bäcker/innen verstehen ihr Handwerk, jedoch nicht den Ablauf eines Anerkennungsverfahrens – hier kam die HWK Trier als wertvolle Unterstützung zur Hilfe.
Ohne das Engagement der Handwerkskammer Trier hätte das alles nicht funktioniert
„Herr Rauschenbach hat uns sofort unterstützt und mit uns zusammen alles für die Anerkennung vorbereitet. Dafür sind wir sehr dankbar“, so Ehses. Jürgen Rauschenbach von der HWK Trier stand schon länger in Kontakt mit Herrn Ehses und hat seiner Bäckerei in der Vergangenheit schon Auszubildende mit Migrationshintergrund vermittelt. Mit Hilfe des BQ-Portals konnte er feststellen, dass Copolla eine 3-jährige staatliche Ausbildung absolviert hat. Die Antragsberechtigung lag also schon einmal vor. Da es aber noch kein entsprechendes Berufsprofil im BQ-Portal gab, beschaffte Herr Rauschenbach den Lehrplan inklusive Übersetzung. Die Ausbildung in Chile umfasste Theorie- und Praxisunterricht in den 3 Bereichen Patisserie, Backen und Kochen sowie die Spezialisierung „Französisches Gebäck“ . Das Resultat: Volle Gleichwertig für Fr. Copolla. Nach kurzer Zeit konnte die junge Bäckerin – auch durch viel Fleiß - schnell in die deutschen Arbeitsabläufe und die traditionellen sowie hauseigenen Rezepte eingearbeitet werden.
Unternehmen müssen auch Integrationsarbeit leisten
Zu Beginn nahm Herr Ehses Frau Copolla in seiner Ferienwohnung auf, half ihr eine eigene Unterkunft zu finden und sich im Ort bekannt zu machen. Wer sich als Unternehmen für eine ausländische Fachkraft entscheidet und diese halten will, sollte ihr helfen, sich auch neben der Arbeitsstätte zu integrieren. „Die Fachkraft sollte nicht nach getaner Arbeit alleine Zuhause sitzen und keinen Kontakt finden. Es gehört auch ein bisschen mehr dazu, als nur das Berufliche.“, so Ehses Einschätzung.
Sprachdefizite durch Fleiß ausgleichen
Gelegentlich kommt es – gerade bei Fachwörtern - zu Verständigungsproblemen in der Backstube. Deutschkenntnisse sind mit A2.2 Niveau bei Copolla definitiv vorhanden, reichen im beruflichen Alltag aber nicht immer aus. „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass eine ausländische Fachkraft nicht direkt in den Beruf einsteigen kann, wie ein/e deutsche/r Bäckergeselle/in.“, informiert Ehses. Erfreulicherweise ist Copolla sehr engagiert: Nachdem sie noch in Chile über eine App mit dem Deutsch-Lernen angefangen hat, besucht sie jetzt weiterhin eine Sprachschule, wodurch sie zunehmend mehr Sicherheit in der Sprache und damit auch mehr Verantwortung gewinnt.
Tipps für Anerkennungsinteressierte
Herr Ehses würde sich jederzeit wieder für den Weg zur Anerkennung mit einer ausländischen Fachkraft entscheiden. Nur würde er es beim zweiten Mal anders angehen - sein Rat an alle interessierten Unternehmer/innen: „Am besten direkt an die zuständige Kammer wenden und dort Rat holen. Dafür ist die Kammer da und die unterstützt einen wirklich super. So kann man sich sehr viele Sorgen und viel, viel Arbeit ersparen.“
Auch Antonia Copolla ist absolut zufrieden, diesen Schritt gegangen zu sein. Sie fühlt sich in der Bäckerei mit familiärer Atmosphäre sehr wohl. Zudem hat sie bereits viel gelernt – auch was sie jetzt anderen Fachkräften, die nach Deutschland kommen wollen, empfehlen würde: „Es ist sehr wichtig und erleichtert den Einstieg, wenn man vorher schon fleißig Deutsch gelernt hat.“
Wie das BQ-Portal die Kammern unterstützt
Laut Rauschenbach wird die tägliche Arbeit als Anerkennungsstelle vereinfacht, je mehr Informationen im BQ-Portal vorhanden sind. Er selbst nutzt das Portal jeden Tag und ist der Meinung, dass Verfahren sonst viel langwieriger wären. Mussten die Kammern früher noch, zur Prüfung der Antragsberechtigung, die Schulen selbst anschreiben und Lehrpläne übersetzen lassen, so könne man heute Anerkennungsverfahren in Kürze bearbeiten. Dank der Datenbank im BQ-Portal.
„Es ist einfach wichtig, dass man die ganzen Informationen im BQ-Portal gemeinsam nach und nach vervollständigt und so irgendwann einfach auf alles zurückgreifen kann.“, betont Rauschenbach.
| Auf einen Blick |

Branche: Gastronomie Anerkannter Beruf: Bäcker/in Standort: Reinsfeld, Rheinland-Pfalz Beschäftigte: ? |
Kontakt:
Traditions-Bäckerei Süss
Backstuff Tobias Ehses
Trierer Str. 38, 54421 Reinsfeld
Telefon: 06503 - 7116